Warum Obama eine zweite Amtszeit verdient

Begeisterung. Euphorie. Mit Begriffen wie "Hope" und "Change" verzaubert der Präsidenschaftskandidat die Massen. Manche verehren Barack Obama nach den schlimmen Jahren der Bush-Ära wie einen Messias. Mit ihm soll alles besser werden, hoffen nicht nur seine Fans.

 

So war die Stimmung im Wahlkampf vor vier Jahren. Heute ziehen die Amerikaner Bilanz. Die Begeisterung ist geschwunden. Obama hatte seinerzeit viel versprochen - heute weiß man: Er hat bei weitem nicht alles gehalten.

 

In den Jahren seiner Amtszeit schrumpfte er von einem Heilsbringer auf das Maß eines Realpolitikers zusammen. Trotzdem unterscheidet ihn vieles von anderen Politikern - und das positiv: Obama ist authentisch, seine Politik ist transparent und sein Selbstverständnis als Präsident lautet: Eine reiche Gesellschaft wie die der USA muss auch für die sozial Schwächeren da sein. Wäre Obama ein deutscher Politiker, würde er wahrscheinlich dem Arbeitnehmerflügel der Unionsparteien angehören oder er wäre ein konservativer Sozialdemokrat.

Klare Alternative

 

Und sein Herausforderer Mitt Romney? Er ist ein typischer Wirtschaftsliberaler. Der Markt reguliert sich selbst, und in der Gesellschaft ist jeder, um den verstaubten Begriff zu benutzen, "seines Glückes Schmied". Der Staat soll sich möglichst aus allem heraushalten. Mit solchen Thesen unterscheidet sich Romney diametral vom amtierenden Präsidenten. Obama sieht den Staat in der Pflicht - er muss Chancengleichheit auch für die nicht-priviligierten Bürger anstreben.

 

In der Konsequenz heißt dies: Romney will die Steuern senken, weil er die Aufgaben des Staates zurückdrängen will. Obama sieht die Notwendigkeit von erhöhten Staatseinnahmen, um das Land wieder nach vorne zu bringen. Amerika hat die Wahl. Die Bürger können heute zwischen zwei Gesellschaftsmodellen entscheiden.

Schlimmeres verhindert

 

Bei aller berechtigten Kritik an Obama - Fakt ist auch: In den zurückliegenden vier Jahren hat Obama die Wirtschaft nach der schlimmen Finanzkrise vor einem noch tieferen Absturz bewahrt; die noch immer zu hohe Arbeitslosigkeit geht inzwischen moderat nach unten. Er hat die pleite gegangenen Autohersteller General Motors und Chrysler gerettet - sie schreiben heute wieder schwarze Zahlen.

 

Den Krieg im Irak hat der Präsident beendet, für Afghanistan ein Ausstiegsszenario entwickelt. Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus war Obama erfolgreicher als sein Vorgänger. Der Massenmörder und Al-Kaida-Chef Osama bin Laden wurde auf seinen Befehl hin getötet. Und mit der unter seiner Regie verabschiedeten Gesundheitsreform hat er über 30 Millionen Menschen eine Krankenversicherung ermöglicht.

 

Barack Obama ist eine zweite Amtszeit zu wünschen. Sein Projekt, die "besseren Staaten von Amerika" zu schaffen, ist längst noch nicht abgeschlossen.

Quelle: BR-Hörfunkstudio Washington, Klaus Kastan

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0