Zum Klima-Treffen in Doha | Katar

So dürfen die Konferenzen nicht weitergehen!

Kennen Sie noch die alten Fahrräder? Vehikel ohne gelochte Scheibenbremse, ohne V-Brakes und sogar ohne Felgenbremse? Diese Räder hatten einfach nur einen Gummiklotz, der oben auf den Reifen gedrückt wurde. Wirklich anhalten konnte man damit nicht. Nur langsamer werden. Genau so funktionieren die Klimakonferenzen: Wie der Gummiklotz am Klimawandelreifen.

Der Gipfel hat sich selbst gerettet, aber nicht das Klima

 

Also nehmen wir Abschied vom Zwei-Grad-Ziel. Das ist so nicht erreichbar. Doha hat klar gezeigt, es geht zu langsam, wenn es überhaupt geht. Der Klimawandel ist durch diese Konferenzen bestenfalls zu verzögern. Um es klar zu sagen: selbst das ist es wert. Aber man darf auch keine Illusionen haben. Der Gipfel hat sich selbst gerettet, aber nicht das Klima. Damit das möglich wäre, müsste es Einsicht regnen, Weisheit und Selbstlosigkeit. Das ist nicht in Sicht. Die politischen Interessen sind Fakt.

 

Also wird der Klimawandel weitergehen. Aber eben auch die Klimakonferenzen. Es gibt keine Alternative für einen völkerrechtlich verbindlichen Prozess. Einen, der zumindest die Chance bietet, dass nicht nur das Recht des Stärkeren gilt. Fragt sich nur: Dürfen diese Konferenzen so weitergehen? Nein, das dürfen sie nicht.

 

Benötigt wird eine professionelle Konferenzleitung, nicht die Zufallsqualität der Gastgeberländer. Prima in Mexiko, gut in Südafrika, mangelhaft in Qatar. Wie wird das dann nächstes Jahr in Polen? In einem Land, das hier in Doha bis zum letzten Augenblick gepokert, die EU vorgeführt und handlungsunfähig gemacht hat?

Konferenzen müssen besser vorbereitet werden

 

Zweitens muss es eine präzise Vorbereitung geben, Staats- und Regierungschefs müssen die Rahmen im Vorfeld klar abstecken. Die Beamten sollen die Vorgaben dann anschließend umsetzen. Nicht wie jetzt: Monatelang wird mit verdeckten Karten gespielt und am Ende ist der Karren nicht mehr aus dem Dreck zu ziehen. Bundeskanzlerin Merkel hat ihren Umweltminister im Streit mit seinem Kabinettskollegen Rösler von der FDP im Regen stehen lassen, hat durch Unklarheit dazu beigetragen, dass sich ihr Mann in Doha kräftig blamiert hat. Man darf vermuten, dass sie ihr politisches Gewicht am Ende der Konferenz beim Streit mit den Polen dann doch noch eingebracht hat. Das hätte sie früher machen müssen.

 

Drittens ersetzt die Konferenz weder konkreten Klimaschutz in den Ländern der Welt noch kommt sie – viertens – ohne den Druck der Menschen aus. Es reicht nicht, wenn nur die Betroffenen einsichtig sind.

 

Doha war die fadeste und müdeste Klimakonferenz seit Jahren. Wie ein alter abgelutschter Brems-Gummi am Reifen. Das Ding muss dringend ausgewechselt werden.

Quelle: SWR | Autor: Werner Eckert

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Stefan Wehmeier (Montag, 10 Dezember 2012 08:23)

    Die CO2-Debatte ist ungefähr damit vergleichbar, als machte sich jemand Sorgen, dass bei einem Löschversuch der wertvolle Teppich nass werden könnte, während das Haus brennt.

    Unsere "moderne Zivilisation" hat ein ganz anderes und weitaus dringlicheres Problem, dessen einzige Lösung auch das "Klimaproblem" löst:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html